Irgendwie ist der Begriff Werkzeuge vielleicht nicht wirklich richtig gewählt, aber wie soll man denn das “Handwerkszeug” eines Fotografen nennen? Neudeutsch kann man natürlich auch Equipment sagen. Aber letzten Endes will ich hier versuchen nicht nur auf die Kamera und die Objektive einzugehen. Es sollte auch die technische, digitale Seite der Bildbearbeitung am Computer nicht vernachlässigt werden. Beispiele aus der analogen Dunkelkammer werden Sie hier in meinem Artikel nicht finden – ich werde mich hier rein auf die digitale Fotografie beschränken.
Text & Fotos: Andreas Fritz
Gut schauen wir uns mal eine grobe Übersicht an, was man so unbedingt benötigt. Damit meine ich nicht was man gern hätte. Erstmal geht es auch nicht um die Auflösung, Lichtstärke oder um die Prozessorgeschwindigkeit.
- Kamera (D-SLR) eines “beliebigen” Herstellers
- Objektiv passend zu der Kamera
- Speicherkarte
- Akku
- Stativ (kann evtl. entfallen)
- Computer-Hardware
- Software
- Monitor
- Drucker (?)
- div. Zubehör für Kamera und Computer
Diese Liste stellt nun das Minimum dessen dar, was man benötigt, wenn man mit einer Digitalkamera sinnvoll arbeiten will. Viele Dinge aus dieser Liste sind natürlich unabhängig davon, ob ich nun eine Hochzeit, Makrofotos oder Landschaftsbilder fotografieren möchte.
Auf einen Computer könnte man heutzutage im Ernstfall auch verzichten – man kann mit seiner Speicherkarte direkt an den immer mehr vorhandenen Terminals seine Bilder ausdrucken lassen. Sollte man mal das Pech haben und eine Gruppe Teenies versucht gerade die Handy-Schnappschüsse – ok lassen wir das – haben wir bestimmt alle schon gesehen.
Jedoch ist auch die größte Speicherkarte einmal voll und spätestens jetzt kommt nun doch der Computer wieder ins Spiel. Die mit der Kamera mitgelieferte Software ermöglicht es einem komfortabel die Bilder von der Kamera auf die Festplatte des Computers zu laden. Ob Sie nun einen Windows Computer oder ein MAC nutzen liegt in Ihrem ermessen.
Computer – Systemvorraussetzungen
Heute erhältliche Computer sind von der Prozessorleistung schon recht ordentlich, aber schauen wir uns z.B. mal die Vorraussetzungen für das demnächst verfügbare Adobe Photoshop Creative Suite 5 deutsch* an:
- Intel® Pentium® 4 oder AMD Athlon® 64 processor
- Windows XP ab Service Pack 3, Vista oder Windows 7
- 1 GB Arbeitsspeicher
- Grafikkarte mit mind. 256MB und einer Auflösung > 1024x768px
- DVD-ROM
- Internetanschluß (zur Softwareaktivierung)
Soviel zu den MINDESTVORRAUSSETZUNGEN. Für den Mac benötigen Sie Mac OS X v10.5.7 oder v10.6 – die an anderen Daten entsprechen weitestgehen denen eines Windows Rechners. Mit der Konfiguration läßt sich Photoshop starten. Gut. Aber Sie wollen ja auch Bilder bearbeiten oder betrachten. Nehmen Sie nun mal meine Empfehlung:
- Intel® Pentium® 4 oder AMD Athlon® 64 processor
- Windows 7 oder Windows XP mit Service Pack 3 in der 64-Bit Version
- mind. 4 GB Arbeitsspeicher
- mind. eine zusätzliche externe Festplatte (USB 2.0 oder besser eSATA)
- Grafikkarte (PCI-Express) mit mind. 512 MB
- DVD Brenner
- 22″ Monitor oder größer
- interner Kartenleser
Software zur Bildbearbeitung
Die Standardsoftware jedes (digitalen) Profifotografen habe ich schon genannt – Adobe Photoshop - aber die meisten, die diesen Artikel hier lesen sind wohl eher enthusiastische Hobbyfotografen, die vielleicht sogar ein paar Euro mit Ihren Bilder verdienen – aber die wenigsten werden sich für ca. 1.000,- EUR die Version leisten können oder wollen.
Es gibt nun eine Reihe von Bildbearbeitungsprogrammen, konzentrieren möchte ich mich auf Adobe Photoshop Elements 8 deutsch WIN* und Adobe Lightroom. Beide Programme haben die gleichen Anforderungen an die PC-Hardware wie Adobe Photoshop, sind aber in den Anschaffungskosten wesentlich günstiger. Adobe Photoshop Elements 8.0 bekommen Sie schon für gut 80,- EUR und Adobe Photoshop Lightroom 2
* belastet Ihr Budget mit rund 260,- EUR.
Adobe Photoshop Elements 8.0
Wenn Sie diese Software Ihr eigen nennen, können Sie mit Ihren Bilder schon eine Menge anstellen. Basiseinstellungen wie Weißabgleich, Tonwert- und Farkorrekturen sind mit der Software sehr schnell erledigt. Der Adobe eigene RAW-Konverter “entwickelt” Ihre Bilder und Sie können über den “Organizer” Ihre Bilder zeitlich sortiert anzeigen lassen. Eine weitere sehr wichtige Funktion ist neben der Bildbearbeitung die Bildverwaltung. Hier würden Sie mit Photoshop Elements ein gutes Werkzeug erwerben. Die Verschlagwortung und Eingruppierung in frei definierbare Kategorien machen evtl. stundenlanges suchen nach Bilder überflüssig.
Auch für mehr oder weniger aufwendige Retuschearbeiten eignet sich Photoshop Elements. Wie in Adobe Photoshop können Sie in Photoshop Elements mit der Ebenentechnik arbeiten und so Ihre Bilder non-destruktiv verändern und anpassen. Hierzu gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten - Sie können die volle Kontrolle über Ihre Änderungen übernehmen oder sich mit den Optionen “Foto schnell bearbeiten” und “Foto-Editor mit Assistent” unter die Arme greifen lassen. Von der Funktionalität und den Möglichkeiten übertrifft Photoshop Elements sicherlich die “alten” Versionen von Photoshop.
Auch die Weitergabe Ihre Bilder können Sie mit Photoshop Elements bewerkstelligen. Als Optionen stehen Ihnen die Übergabe an ein Online-Album, der Versand per eMail (Foto als Anhang), einer Fotomail, auf CD/DVD oder als PDF-Diashow zur Verfügung.
Auch an das Erstellen von “Printmedien” hat Adobe gedacht – so lassen sich Bildbände, Grußkarten, Fotoabzüge, Fotocollagen und CD-Hüllen ausgeben. Auch die Erstellung einer Diashow zur Wiedergabe Ihre Bilder ist möglich.
Kamera
Kommen wir nun zum eigentlichen Werkzeug – der Kamera. Sicherlich können Sie auch Fotos mit einer Kompaktkamera machen, aber seien wir mal ehrlich – für eine wirklich gute Bildqualität benötigen Sie eine Kamera mit Spiegelreflextechnik.
Da sich dieser Artikel auf die Hochzeitsfotografie mit Hilfe der Digitalfotografie beschränkt – werde ich hier auch keine Empfehlungen für Sie haben, welchen Film Sie am besten für Ihre s/w-Hochzeitsfotos verwenden können.
Schauen wir uns also nun mal die D-SLR Fraktion der Herstellen einmal an.
Da gibt es erhebliche Unterschiede in Sachen Preis (!) und Auflösung sprich Leistung. Sie bekommen eine D-SLR für ca. 330,- EUR und Sie können mehrere Tausend (!) Euro für ein Gehäuse ausgeben. Dabei will ich gar nicht die Digitalrückteile mit einer Auflösung von 60 Megapixeln für ca. 30.000,- EUR berücksichtigen.
Etabliert haben sich die Hersteller, die auch schon zu Analogzeiten die Nase vorn hatten. Um nur ein Paar Namen zu nennen: Nikon, Canon, Pentax, Sony, Sigma …
Canon z.B. hat 8 aktuelle Modelle (EOS 1000D – bis EOS-1Ds Mark III) im Sortiment und Nikon beglückt die Fotografen mit derzeit 7 aktuellen Modellen (Nikon D3000 bis Nikon D3X). Alle diese Kameras sind mehr oder weniger für die Hochzeitsfotografie geeignet.
Letzten Endes muss ich oder besser der Kunde entscheiden, was er mit seinen Hochzeitsbilder machen will. Im Normalfall werden die Bilder in den Formaten 10x15cm oder 13x18cm ausbelichtet, d.h. die Auflösung der D-SLR spielt nur noch dann eine Rolle, wenn ich Ausschnitte benötige und so aus z.B. 16 Megapixeln noch etwas “rausholen” will. Aber auch 6 Megapixeln sind ausreichend für die meisten Kundenwünsche.
Sicherlich interessant ist auch die ISO Empfindlichkeit oder besser gesagt, dass mit hohen ISO-Werten autretende Rauschen. Das Bildrauschen bei ISO 400 fällt bei einem 10x15cm Abzug weniger ins Auge als bei einer Ausbelichtung im Format 50x70cm. Auch hier gilt wieder – was will der Kunde. Darum sind auch die Vorgespräche mit dem Kunden sehr wichtig. Wenn ich mir nicht sicher bin versuche ich immer den kleinsten ISO-Wert an der Kamera einzustellen. Überlegen Sie aber mal – Sie bekommen eine gute Belichtung nur mit ISO 800 hin und dürfen keinen Blitz einsetzen (z.B. in der Kirche) – dem Kunden ist es viel wichtiger von dem Ereignis überhaupt ein Foto zu bekommen als gar kein Foto - weil Sie bei ISO 100 bleiben wollen – und das Bild hoffnungslos unterbelichtet ist.
Viel wichtiger als der Hersteller, die Auflösung oder die Serienbildgeschwindigkeit sind die Funktionen Ihrer Kamera die Sie beherrschen sollten. In vielen Situationen während einer Hochzeit können Sie nicht erst noch nach Einstellungen im Menü suchen – dann haben Sie DAS Ereignis schon verpasst.
Machen Sie sich mit den Funktionen Ihrer Kamera schon vorher vertraut. Testen Sie ausgiebig und nutzen Sie Möglichkeiten der manuellen Einstellmöglichkeiten. Machen Sie Testaufnahmen mit unterschiedlichen Brennweiten – testen Sie die Wirkung der Bilder anhand der gewählten Blende. Sie werden sehen, wenn Sie eine kleine Blendenzahl nehmen wird sich das Motiv – in unserem Fall das Hochzeitspaar – wundervoll vom Hintergrund abheben – die Konzentration des Bildbetrachters liegt auf dem Hochzeitspaar und wird nicht von störenden Bildelementen abgelenkt.
Aktuelle Canon & Nikon Kameramodelle:
- Canon EOS 1000D
, 10,1 Megapixel*
- Canon EOS 450D
, 12,2 Megapixel*
- Canon EOS 500D
, 15,1 Megapixel*
- Canon EOS 550D
, 18 Megapixel*
- Canon EOS 50D
, 15,1 Megapixel*
- Canon EOS 7D
, 18 Megapixel*
- Canon EOS 5D Mark II, 21,1 Megapixel (Vollformat)*
- Canon EOS 1D Mark IV , 16,1 Megapixel*
- Canon EOS 1Ds Mark III
, 21 Megapixel (Vollformat)*
- Nikon D3000
, 10,2 Megapixel (ca. 330,- EUR)
- Nikon D5000
, 12,3 Megapixel (ca. 490,- EUR)
- Nikon D90
, 12,3 Megapixel (ca. 660,- EUR)
- Nikon D300
, 12,3 Megapixel (ca. 1.170,- EUR)
- Nikon D300S , 12,3 Megapixel (ca. 1.370,- EUR)
- Nikon D700
, 12,1 Megapixel (ca. 1.970,- EUR)
- Nikon D3
, 12,2 Megapixel (ca. 4.000,- EUR
- Nikon D3x
, 24,5 Megapixel (ca. 8.000,- EUR)
Objektive
Ganz emotionslos betrachtet, kann ich auch mit einem 100,- EUR Objektiv hervorragende Bilder machen. So gibt es zum Beispiel von Canon ein 50mm / 1.8 II Festbrennweiten Objektiv – das gute Ergebnisse liefert. Sicherlich ist die Wertigkeit und die Haptik eine ganz andere als bei dem 50mm / 1.4 Objektiv oder gar das mit der 1.2er Lichtstärke. Aber auch der Preisunterschied ist immens. Immerhin ein Unterschied von ca. 1.300,- EUR.
- Canon EF 50mm, 1,2 L USM
(ca. 1.400,- EUR)*
- Canon EF 50mm, 1,4 USM
(ca. 360,-EUR)*
- Canon EF 50mm, 1,8 II
(ca. 100,- EUR)*
- Nikon AF Nikkor 50mm 1:1,8D
(ca. 120,- EUR)*
- Nikon AF-S Nikkor 50mm 1:1,4G
(ca. 320,- EUR)*
Stand: 04/2010
Ganz klar im Vorteil ist man mit einem lichtstarken Objektiv. Die Möglichkeiten der Bildgestaltung durch die Wahl der Blende ist gerade für die Hochzeitsfotografie sehr wichtig. Auch die Fotografie in geschlossenen Räume (Kirche, Saal, Limousine, …) wo evtl. der Einsatz eines Blitzgerätes nicht erwünscht oder möglich ist, gestaltet sich mit einem lichtstarkem Objektiv einfacher. Wie anfangs schon erwähnt kann ich bei “schlechten” Lichtverhältnissen auch mit den ISO Werten nach oben gehen - aber meistens leidet die Bildqualität (Bildrauschen) und vor allem der Einsatz der Tiefenschärfe als gestalterisches Element steht mir bei lichtschwachen Objektiven nicht mehr wirklich zur Verfügung.
Sicherlich sollte man sich vorher genau überlegen, welche Objektive man zu einer Hochzeit mitnehmen will. Wer sich den Luxus leisten kann und zwei Kameragehäuse besitzt, sollte unbedingt beide mitnehmen und z.B. ein lichtstarkes Objektiv auf die eine Kamera und evtl. ein Zoomobjektiv und ein Aufsteckblitz auf die andere Kamera. Da aber nicht jeder ein zweites Gehäuse sein eigen nennt – fällt schon etwas mehr Arbeit an und der eine oder andere Objektivwechsel wird je nach Aufnahmesituation notwendig.
Die Wahl des Objektivs hängt von viele Aspekten ab. Wenn ich als stiller Beobachter einige ergreifende Momente ablichten möchte ist der Einsatz einer längeren Brennweite (200mm) sicherlich von Vorteil. So kann ich über eine größere Distanz unbemerkt Fotos machen und die Person merkt gar nicht das Sie gerade fotografiert wird. Dies gibt dem Bild eine gewisse Natürlichkeit und wirkt nicht gestellt. Gerade Kinder “verstellen” sich, wenn sie merken das sie fotografiert werden.
Für die Portraitfotos des Hochzeitspaares kann ich z.B. ein für die Hochzeitsfotografie sehr beliebtes Objektiv nehmen. Die Brennweite 24-70mm gibt es von allen namhaften Herstellern. Sowohl Canon, Nikon, Sigma und auch Tamrom (28-75mm) haben dieses Zoomobjektiv in ihrem Portfolio. Aber auch hier gibt es wieder qualitative und preisliche Unterschiede.
- Nikon AF-S Zoom-Nikkor 24-70mm 1:2,8G ED
(ca. 1500,- EUR)
- Canon EF 24-70mm/ 2.8/ L USM
(ca. 1050,- EUR)
- Sigma 24-70mm 2,8 EX DG Macro Objektiv für Canon
(ca. 500,- EUR)
- Sigma 24-70 / 2,8 EX DG HSM Objektiv für Canon
(ca. 850,- EUR)
- Sigma 24-70 / 2,8 EX DG HSM Objektiv für Nikon
(ca. 810,- EUR)
- Tamron AF 28-75mm 2,8 XR DI LD ASL SP Macro Canon
(ca. 340,- EUR)
Es gibt auch sehr versierte Hochzeitsfotografen, die ein sog. Fisheye-Objektiv einsetzen. Allerdings ist der Einsatz meistens eine Geschmacksfrage und geht schon eher in die moderne Hochzeitsfotografie. Das Brautpaar sollte schon offen für neue Perspektiven und Bildwirkungen sein.
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